Standortplanung und Infrastruktur

Der Standort Göttingen kann aus mehreren strategischen Gründen in Betracht gezogen werden. Als eines der wichtigsten Oberzentren Niedersachsens übernimmt die Stadt eine bedeutende Rolle dals Wissenschafts-, Bildungs- und Dienstleistungsstandort ein. Das Einzugsgebiet umfasst eine dynamisch wachsende Region, deren Bedeutung insbesondere durch die Funktion Göttingens als renommierte Universitätsstadt weiter zunimmt. Die hohe Anziehungskraft für Studierende, Forschende und Fachkräfte wirkt sich positiv auf die demografische Entwicklung sowie auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Region aus.

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Hannover weist Göttingen das dritthöchste positive Bevölkerungssaldo in Deutschland auf und belegt innerhalb Niedersachsens sogar den ersten Platz unter den wachstumsstärksten Städten. Dieses kontinuierliche Bevölkerungswachstum deutet auf einen langfristig steigenden Mobilitätsbedarf hin, sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Reiseverkehr.

Durch ihre Lage zwischen den Städten Hannover und Kassel befindet sich Göttingen zudem an einer wichtigen Nord-Süd-Verkehrsachse innerhalb Deutschlands. Die verkehrliche Erreichbarkeit der Stadt ist insbesondere im Straßen- und Schienenverkehr sehr gut entwickelt. Westlich der Stadt verläuft die Bundesautobahn A7, eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Deutschlands, die Göttingen mit den wirtschaftlichen Zentren Nord- und Süddeutschlands verbindet. Ergänzend dazu stellt die Autobahn A38 eine wichtige Ost-West-Verbindung dar. Mehrere Bundesstraßen, darunter die B3 und die B27, erschließen zusätzlich das regionale Umland.

Auch im Schienenverkehr besitzt Göttingen eine hohe Bedeutung. Der Bahnhof Göttingen ist ein zentraler Halt im deutschen Fernverkehrsnetz und wird regelmäßig von ICE-Zügen bedient, die Städte wie Hamburg, Hannover, Berlin, Frankfurt oder München miteinander verbinden. Dadurch ist die Stadt in kurzer Zeit mit zahlreichen wichtigen Wirtschaftszentren erreichbar.

Im Bereich des Luftverkehrs besteht hingegen keine eigene größere Infrastruktur. Für Flugreisen nutzen Bewohner und Unternehmen der Region überwiegend Flughäfen in der weiteren Umgebung, insbesondere den Flughafen Hannover-Langenhagen, den Flughafen Kassel sowie den Flughafen Paderborn/Lippstadt. Diese Flughäfen sind von Göttingen aus meist innerhalb von ein bis zwei Stunden erreichbar und übernehmen derzeit die Luftverkehrsanbindung der Region.

Trotzdem weist die Region mehrere strukturelle Merkmale auf, die für infrastrukturelle Planungen grundsätzlich relevant sein können. Dazu zählen insbesondere die zentrale Lage innerhalb Deutschlands, die wissenschaftliche Bedeutung durch Universität und Forschungseinrichtungen sowie ein vergleichsweise großes Einzugsgebiet im südlichen Niedersachsen und angrenzenden Teilen Thüringens und Hessens. Diese Faktoren bilden die Ausgangsbasis für raumplanerische Überlegungen zur möglichen Entwicklung zusätzlicher Verkehrsinfrastruktur in der Region.

Verteilung und bedeutung von den Hauptverkehrsflughäfen in Deutschland

Neben infrastrukturellen Aspekten spielen auch naturräumliche Gegebenheiten eine wichtige Rolle. Die Landschaft rund um Göttingen ist durch eine abwechslungsreiche Mittelgebirgsstruktur geprägt. Charakteristisch sind unter anderem der Göttinger Wald, das Leinetal sowie angrenzende Höhenzüge des Eichsfelds. Diese Landschaftsstruktur führt dazu, dass größere zusammenhängende Freiflächen nur begrenzt vorhanden sind. Gleichzeitig besitzen viele dieser Räume eine hohe ökologische Bedeutung und erfüllen wichtige Funktionen für Natur- und Landschaftsschutz sowie für die Naherholung der Bevölkerung. Bei der Planung großflächiger Infrastrukturprojekte müssen diese Aspekte daher besonders berücksichtigt werden.

Auch die Bevölkerungsstruktur und das potenzielle Einzugsgebiet stellen wichtige Standortfaktoren dar. Göttingen fungiert als wirtschaftliches und administratives Zentrum für einen größeren, überwiegend ländlich geprägten Raum in Südniedersachsen. Gleichzeitig zieht die Stadt als Universitätsstandort Studierende, Forschende und Fachkräfte aus verschiedenen Regionen an. Diese Faktoren können grundsätzlich zu einer erhöhten Mobilitätsnachfrage führen, da wissenschaftliche Kooperationen, wirtschaftliche Beziehungen sowie private Reisen zusätzliche Verkehrsbedürfnisse erzeugen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Rolle eine zusätzliche Luftverkehrsinfrastruktur innerhalb der bestehenden Verkehrsstruktur übernehmen könnte. Obwohl Göttingen über eine sehr gute Anbindung an Straße und Schiene verfügt, sind größere Verkehrsflughäfen erst in gewisser Entfernung erreichbar. Flughäfen wie Hannover oder Paderborn/Lippstadt übernehmen derzeit die Luftverkehrsanbindung der Region, wodurch für Reisende häufig zusätzliche Fahrzeiten entstehen. Eine regionale Luftverkehrsanbindung könnte daher grundsätzlich dazu beitragen, die direkte Erreichbarkeit nationaler und internationaler Ziele zu verbessern, insbesondere für Geschäftsreisen, wissenschaftlichen Austausch oder spezielle Transportaufgaben.

Erreichabrkeit von Flughäfen in Deutschland ab Göttingen

Darüber hinaus können Flughäfen eine wirtschaftliche Funktion für eine Region erfüllen. Sie schaffen Arbeitsplätze, verbessern die überregionale Vernetzung und können die Attraktivität eines Standortes für Unternehmen und Investitionen erhöhen. Gleichzeitig muss jedoch geprüft werden, ob ein zusätzlicher Flughafen tatsächlich einen ausreichenden Bedarf decken würde oder ob die bestehenden Flughäfen der Umgebung bereits ausreichend Kapazitäten bereitstellen. Entscheidend sind hierbei vor allem das potenzielle Einzugsgebiet sowie das zu erwartende Passagieraufkommen.

Durch die verkehrsgünstige Lage der Stadt Göttingen ergibt sich ein großes potenzielles Einzugsgebiet. Dank der hervorragenden Anbindung an Autobahn- und Schienenverkehr kann die Region schnell und zuverlässig erreicht werden. Dadurch könnte Göttingen eine zentrale Rolle für Südniedersachsen, Nordhessen, Westthüringen sowie Teile Nordrhein-Westfalens übernehmen.

Ein weiterer Vorteil ist die umfassende Sanierung der Schnellfahrstrecke zwischen Hannover und Fulda in den Jahren 2019 bis 2024, die maßgeblich zur hohen Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Bahnverbindung beiträgt. Im Gegensatz zum Flughafen Kassel Calden oder vergleichbaren Hauptverkehrsflughäfen zeichnet sich der geplante Standort in Göttingen durch eine deutlich bessere Anbindung sowohl an den Straßenverkehr als auch an das Schienennetz aus. Die unmittelbare Nähe zur Bahnstrecke eröffnet zudem die Möglichkeit eines kompakten Flughafenbahnhofs. Dadurch könnten Fluggäste bequem und ohne Umwege direkt vom Zug ins Flugzeug wechseln.

Konkret bedeutet das: Der Flughafen Göttingen könnte sogar für Reisende aus Hannover attraktiv sein. Eine direkte Verbindung vom Hauptbahnhof Hannover mit dem RE2 wäre ohne Umstieg in etwa einer Stunde möglich. Auch aus Kassel könnte der Flughafen bei entsprechend angepasstem Fahrplan vom Hauptbahnhof in einer vergleichbaren Zeit erreicht werden. Durch ICE-Verbindungen ließe sich die Reisezeit zusätzlich verkürzen, sofern die Umstiegszeiten in Göttingen optimal abgestimmt werden. Ein direkter Halt von Intercity-Express-Zügen am Flughafenbahnhof ist jedoch zunächst nicht vorgesehen.